Kimplinger Ostergrüße 2020

Bild und Musik zum Text

…und so ist da zum Beispiel…

…der Frühling, der uns vorzeigt, wie nach der Pause, dem scheinbaren Stillstand im Winter, das Leben wieder durchbricht. Das Leben, das sich zyklisch zeigt in unserer Welt in stetiger Abwechslung von kraftvoll und kraftlos, energiegeladen und energielos, üppig und karg, laut und leise, vernetzt und einsam, offen und verschlossen, aufeinander zugehend und in sich zurückgezogen, bunt und farblos, füllig und bescheiden. Der Frühling, der nicht laut, aber kraftvoll neues Leben in verschwenderischer Vielfalt bringt.

…und so ist da zum Beispiel…der Wanderer, der innehält, stehen bleibt, sich hinsetzt, sich umsieht, Pause macht, der die Ruhe nützt, der die Zeit hat, die Zeit nimmt, um einfach einmal nichts zu tun, sondern da zu sein, mit all seiner Aufmerksamkeit wahr zu nehmen.
So kann er wahrnehmen, was er schon hinter sich hat, was er schon gemeistert und bewältigt hat, was er erlebt und was er gelernt hat, was mühselig und anstrengend war, was bereichernd war und was ihn beglückt hat.
So kann er wahrnehmen, wo er sich gerade befindet, rundumschauen, im Jetzt, im Hier, im Moment sein. Er kann sich erfreuen an der Sinnlichkeit der Welt um ihn herum, auch an seiner Sinnlichkeit, mit der er ausgestattet ist
So kann er wahrnehmen, welche Schritte vor ihm liegen, vielleicht auch nur erahnen. Er wird nachdenken, die Chance nutzen, seinen Weg neu aus zu richten. Er wird seine Freude und seine Motivation wiederfinden, mit der er sich aufgemacht hat, er wird seine Kraft spüren, die er in sich trägt, um weitergehen zu können, in einer neuen Kraft und Orientierung- nach der Pause.

 

…und so ist da zum Beispiel…die Musik, die von der Stille lebt, in die hinein sie sich breiten kann. Die Stille, die Platz macht für Klänge, Farben, Stile. Die Stille, die für die Töne zur Verfügung stehen muss, um zu erklingen. Dazwischen – die Pausen – als notwendige Elemente, um Gehörtes nachwirken zu lassen, um neue Stille zu erzeugen für wieder Anderes, wieder Neues oder „Wieder-Holtes“. Die Pause, die aber auch Spannung erzeugt, die Ruhe vor dem Sturm, uns vorbereitet auf weitere Töne, Melodien und Genialitäten. Die Pause aus zu halten, sie aus zu musizieren, gilt als künstlerische Feinheit, als unverzichtbare Intensität für die Fülle der Musik. Erst durch sie kommen neue Reize wieder glanzvoll zu ihrer Bestimmtheit, zu ihrem Reichtum und zu ihrer Wirkung.

…und so ist da zum Beispiel…das Fest, das gefeiert werden will, das zuvor Ruhe braucht, um sich vom Alltag ab zu heben, das ein Innehalten braucht, um aus voller Inbrunst gefeiert werden zu können, das Einkehr und Maßhaltung braucht, um in der Üppigkeit ein Fest zu werden, das die vorbereitende  Stille braucht. Das Fest, das uns beschwingt in der Vorbereitung, das uns nährt in seinem Inhalt, das uns belebt in seiner Symbolik, das uns stärkt in seiner Tiefe und Kraft. Die Vorfreude, die Vorbereitungen, das Hineindenken, das Tätigsein, aber auch die hoffnungsvolle Erwartung auf Erfüllung, auf Fülle, auf Intensität der Augenblicke des Lebens in seiner ganzen umfassenden sinnlichen Freude und Liebe.

…und so ist da zum Beispiel…das Jahr 2020. So lasst uns gerade und vor allem in diesem Jahr in einer neuen Bewusstheit und menschlichen Bescheidenheit Ostern feiern

das Fest des Lebens
das Fest der Hoffnung
das Fest des Glaubens

Ostern  heißt „auferstehen“
auferstehen aus alten Gewohnheiten
auferstehen aus dem ewigen Kreislauf des Konsums in Gesellschaft und Wirtschaft
auferstehen aus dem immerwährenden Trott der Schein-Machbarkeit des Lebens
auferstehen aus der Meinung, alles im Griff zu haben
auferstehen aus der trüglichen Verfügbarkeit des Lebens und der Zukunft
auferstehen aus dem Schlaf der Gedankenlosigkeit
auferstehen in das menschliche Hier und Jetzt, in den Moment
auferstehen in die Achtsamkeit des Lebens für die Menschen und die Welt um uns herum.

Ostern als Jesu Worte:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben in Ewigkeit“
unbegreifbar
unfassbar
wunderbar!

©Gedankensplitter DB